Enneagramm- und SAT-Bericht (von Petra Niemann)Bericht über einen Enneagrammworskshop nach dem Trainingskonzept von Claudio Naranjo
Die Teilnehmer sind überwiegend Lehrer, Ärzte, Schaupieler, Therapeuten, Designer und Programmierer aus Spanien, aber wir hatten auch eine Französin, einen Italiener, einen Amerikaner und einen Portugiesen unter uns. Ein Glück - so war ich mit meinen Sprachschwierigkeiten nicht ganz allein. Einige der teilnehmenden kannten Claudio Naranjo bereits aus Veranstaltungen in Südamerika, leben jetzt in Spanien und wollen die Gelegenheit nicht versäumen, sein Programm auch hier zu erleben. Das Seminar wurde von Antonio Pacheco und Paco Penarubia geleitet, zwei Trainer, die in der gestalttherapeutischen Szene Spaniens bekannt und angesehen sind. Die meisten Teilnehmer haben Berührung mit gestalttherapeutischen Ausbildungen oder Tätigkeiten. Anders als in Deutschland, ist Claudio als bedeutender Lehrer der Gestalttherapie in Spanien sehr präsent. In den Sechzigern hat er am Esalen Institut in Kalifornien eng mit Fritz Pearls zusammengeabeitet, gelehrt und geforscht. Er gehört damit zu den Ursprungsfiguren der Gestalttherapie, zu denen, die diese Therapieform entscheidend mitgeprägt haben. In einem Workshop mit 80 Personen ist es sehr aufregend, nach seinem eigenen Typ zu suchen. Im Laufe der fünf Tage fanden sich 9 Gruppen, sortiert nach Charakteren zusammen, die miteinander Gemeinsamkeiten und Unterschiede austauschten, um so ihren Typ zu finden. Begleitet wurde unser Suchen durch unsere Trainer und auch durch das Plenum.In Pannels wurde der individuelle Erfahrungsstand regelmäßig präsentiert, so dass wir alle aktiv daran teilhaben konnten. Jeder Tag begann um 8.00 Uhr früh mit Körperarbeit. Das sind unterschiedliche Formen von Tanz und Gymnastik mit und ohne Musik, um die Voraussetzung dafür zu schaffen, dass wir mit unseren Erfahrungen nicht nur im Kopf bleiben. Der Workshop selbst beginnt immer mit einer Meditation. Dieser Anfang des Tages wird auch von Claudio in den SAT-Workshops beibehalten. Am Ende der Protoanalysis glaubte ich zu wissen,zu welchem Muster ich gehöre, obwohl seitens Antonios Zweifel angemeldet wurden. Um so unglücklicher war ich, dass die 5 Tage mit der Botschaft endeten, dass das Erkennen des eigenen Typs nicht das Ziel sind, sondern der Anfang einer Transformation im Sinne eines Aufhebens der Begrenzungen unseres Egos, die erst beginnen sollte. Es war doch mühsam genug gewesen, sich mit seinen Sünden und Leidenschaften zu erkennen. Ich wollte mich damit einfach abfinden. So bin ich nun mal. Un so schlecht lebt es sich ja auch nicht als drei. Dennoch muss ich wohl neugierig geworden sein, denn ich habe nach der Protoanalysis an den nachfolgenden beiden SAT - Workshops im Sommer 2003 und 2004 teilgenommen, über die ich im folgenden berichten möchte. SAT 1 im Sommer 2003: ![]() Ein SAT- Workshop dauert heute 10 Tage und es gibt 4 aufeinander aufbauende Stufen zwischen denen jeweils ca ein Jahr liegt. Hier trifft sich eine große Gruppe von Menschen, die miteinander lernen wollen. Wir haben in SAT I und in SAT II die meisten Menschen wiedergetroffen, die wir auch in der Protoanalysis kennengelernt haben. Früher haben die Workshops übrigens 40 Tage gedauert. Claudio lebt und lehrt hier mit den Teilnehmern des Workshops die Methoden und Erfahrungen, die er sich ein Leben lang erarbeitet hat und die miteinander zu verbinden für ihn ein Lebenstraum war. In einem Interview aus dem Jahr 1997 beschreibt er dies so: "Und das, was ich anbot, war eine Synthese von Persönlichem. Das erste SAT, das im Jahr 1971 in den Vereinigten Staaten stattfand, bestand ursprünglich aus einigen Elementen, die ich von Ichazo(chilenischer Enneagrammlehrer) gelernt hatte, einer Dosis buddhistischer Meditation vereint mit meinen Erfahrungen als Therapeut. Diese drei Dinge bildeten den Kern, der sich langsam weiterentwickelte und als er die Form des jetzigen SAT annahm, stellten sich zwei Phänomene heraus: Einerseits diente SAT besonders der Gemeinschaft der Gestalttherapeuten in den USA und war wie ein Element ihrer Ausbildung..........Wie der Zufall es will, ist das gestalttherapeutische "Hier und Jetzt" ein benachbartes Gebiet zu dem der Meditation und der Gestalttherapie benachbart ist im weitesten Sinne auch das analytische Verstehen. Und auch die originäre Arbeit von Bob Hoffmann lehnte sich ja an die Psychoanalyse an. Hoffmann konstituierte eine systematische Methode der Rückkehr in die Kindheit, um das zu verstehen, was die Psychoanaylytiker -anachronistischerweise, wie ich glaube-, "Ödipus" nannten..........."
Wir steigen in den Keller des eigenen Gewordenseins hinab und erleben wieder die Schmerzen und Widerstände, die uns in frühester Kindheit zu dem geformt haben, was wir heute sind. Wir erleben auch alle negativen Gefühle, die sich dadurch in uns gegen unsere Eltern angesammelt haben, weil sie uns vielleicht allein gelassen haben, uns nicht als die, die wir sind, geliebt haben, uns vielleicht misshandelt haben. Diese Gefühle müssen wahrgenommen und ausgelebt werden. Der nächste Schritt ist das Verzeihen. Wir erleben die eigenen Eltern als Kinder, ihre Wünsche, ihre Einsamkeit, ihre Verletzungen und Enttäuschungen. Die Härte und die Lieblosigkeit, die sie selbst erlebt haben und die sie uns haben erleben lassen wird jetzt fühlbar aber auch verstehbar. Sie hatten es meist h viel schwerer als wir. Wir erleben ihr Leiden. Ziel des Prozesses ist die Versöhnung mit den Eltern und die Fähigkeit, ihnen sagen zu können, "ich liebe Euch". Denn das ist die Voraussetzung für die Bejahung und die Annahme der eigenen Person und die Fähigkeit, sich selbst zu lieben. In der Liebe wird die zestörte Einheit von Körper, Intellekt, Gefühl und Spiritualität wieder vereint und in eine dynamische Beziehung zueinander gesetzt. In der Trennung der Quadrinität fordert, bewertet und kontrolliert der Intellekt. Das Gefühl, das innere Kinde rebelliert, ist launisch, wütend und maßlos. Die Zerrissenheit muss der Körper ausbaden: Er wird krank. Das spitiuelle Selbst hat in diesem Chaos gar keine Chance. Wir sind in der Begrenzung gefangen. Während der Hoffmann-Prozess am Nachmittag und Abend stattfand arbeiteten wir vormittags, nach der gewohnten Meditation an der Erforschung unserer Muster. Früh am Morgen erwecken wir unseren Leib mit Tanz und Körperübungen.
SAT 2 im Sommer 2004
Wir schrieben kleine Szenen füreinander, die wir dann unter Anleitung unserer Regisseurin (einer Lehrerin der Madrider Schauspielschule) interpretierten. Ich war erstaunt, wieviele Möglichkeiten es gibt, eine gegebene Lebenssituation zu inszenieren und sie zu interpretieren. Für mich war die zentrale Erfahrung, wie ausschließlich ich denke und lebe. Wenn a passiert, folgt zwangsläufig b. Aber das ist nicht so. Jeder Charakter findet andere Lösungen für ein Lebensdilemma oder eine Aufgabe, hat andere Ausdrucksmöglichkeiten - oder eben auch nicht. Das war für alle ergreifend, belustigend und erschütternd, für die Zuschauer genauso wie für die Schauspieler. Während der movimientos autenticos begaben wir uns auf eine Reise in die Dunkelheit - mit dem Blick ins Innere den Kontakt zu uns selbst oder zur Außernwelt herstellen. Ohne zu sprechen. Abwechselnd hielten wir uns eine halbe Stunde mit geschlossenen Augen (mit verbundenen Augen funktioniert es noch besser) in einem Kreis auf - während die wohlwollenden und schützenden Augen eines selbstgewählten Zeugen (jedes Mal jemand anders) auf uns ruhten. Am Ende der Reise, die jedes Mal sehr unterschiedlich verlief, teilten wir uns mit: malend oder dem zuhörenden und nicht kommentierenden Zeugen berichtend.
Vom 01. bis 05. Dezember kommt Claudio Naranjo nach Deutschland und wird in Scharbeutz an der Ostsee einen Enneagramm-Workshop abhalten. Mit den Inhalten wird er uns sicher überraschen. Das Repertoire vorstellbar zu machen, aus dem er schöpft, ist eines der Anliegen meines Berichtes. Mehr Informationen zu dem Dezember-Workshop gibt es unter der E-Mail-Adresse: ediaz@gmx.de oder der Telefonnummer 040/ 520 35 37. Kursvorstellung Claudio Naranjo: Dr. Claudio Naranjo studierte in seinem Heimtland Chile Medizin, Musik Philsophie und Psychologie, arbeitete an psychitrischen Kiniken und begann seine bis heute andauernde Lehr und Forschungstätigkeit als Dozent für Psychologie, fürKunst, für Psychiatrie, medizinische Anthropologie und Meditation. Sein weiterer Weg führte ihn in die USA, wo er am Esalen-Institut einer der Nachfolger des Gestaltpsychologen Fritz Pearls wurde. Seine innere Entwicklung wrude durch mehrere spirituelle Lehrmeister geplrägt, besonders durch Tarthang Tulku Rinpoche. Er gründete das SAT-Institut, eine integrative psychospirituelle Einrichtung, an der Wechselbeziehungen zwischen Psychotherapie und spirituellen Praktiken untersucht werden. Dr. Naranjo ist Mitglied des Club of Rome und anderer internationaler und interdisziplinärer Vereinigungen. (Aus: Naranjo, Das Ende des Patriarchats, Petresberg, 2000) |